Österreichisch

 

... ist, wie allgemein bekannt sein sollte und auch wenn es manchmal so ähnlich klingt,
nicht Deutsch im eigentlichen Verständnis,
obwohl es überall so genannt wird.
(welche Meinung übrigens im "deutschen" Sprachraum weit verbreitet ist.)

 

Doch zeigt sich schon seit längerem eine besondere Gefahr :

Unsere Sprache stirbt, hört nach und nach auf zu existieren und dieser Prozess schreitet immer schneller voran.
Die Veränderungen zeigen sich schleichend, doch unaufhaltsam.

 

So wird unser Österreichisch schon lange von "deutschländerischem" Deutsch verfälscht, und es mischen sich immer mehr amerikanisch/englische Begriffe in unseren Sprachgebrauch, was vieles von unseren typisch österreichischen Mundartwörtern einfach verdrängt.

 

Ein Thriller.

Wenn das alles verloren geht, stellt euch vor, wie unsere Enkel einmal sprechen werden, deutschländerisch-türkisches Deutsch verpanscht mit amerikanischen Ausdrücken.

("Eh, Mann Fatima, lucky lips, gibste mir mal ´ne O-saftschorle.")

Wollen wir eine derartige Verschiebung und Degradierung unseres patriotischen Wortschatzes wirklich zulassen?

 

Ich begrüße und liebe die Vermischung unterschiedlicher Kulturen und Völker in unserem Land, weil es das ist, was unser Land von jeher ausmacht, aber das darf sich nicht
auf unsere Sprache erstrecken.

 

Unser Sprachgut muß bewahrt werden!

das charmante Wienerisch
das  unverkennbare Vorarlbergerisch
das gemütliche Tirolerisch
das frische Steirisch
das stolze Salzburgerisch
das überraschende Oberösterreichisch
das interessante Niederösterreichisch
das reizvolle Kärntnerisch
das bodenständige Burgenländisch

 

Unsere Sprache und ihre Dialekte sind zwar sehr schwer zu erlernen und sogar im eigenen Land haben wir manchmal Verständnisschwierigkeiten, aber vor sprachlicher monotoner Langeweile brauchen wir uns nie zu fürchten.
Deutsch und vor allem Österreichisch hat so viele unterschwellige Feinheiten und es gibt unendliche stilvolle Möglichkeiten, mit der Sprache zu spielen, die sich ein Engländer nicht im Traum vorstellen könnte. Übersetzen wir mal unsere allgemein gebräuchlichen englisch-amerikanischen  "neuen" Wörter ins Deutsche und überlegen uns, was das eigentlich heißt und wie einfach gestrickt im Grunde "the Americans mind" wirklich ist.
Man sollte darüber nachdenken.
 


Zur Amerikanisierung unserer Sprache:

"Wer unbedacht ein Fremdwort wählt
und deutsches Wort für ihn nicht zählt,

wer Primetime sagt statt Hauptprogramm,
scheint auf dem Weg zum Ami-Wahn,

wer happy sagt und glücklich meint
und sunshine, wenn die Sonne scheint,

wer hot gebraucht anstelle heiß,
Know-how benutzt, wenn er was weiß,

wer sich mit sorry kühl verneigt
und Shows abzieht, wenn er was zeigt,

wer Shopping macht statt zu einkaufen
und Jogging sagt zum Dauerlaufen,

wer Kids gar unsere Kinder nennt,
Madonna besser als Herrn Goethe kennt,

der ist zwar "in", doch merkt zu spät,
dass er kein Wort mehr Deutsch versteht!
(Kurt Heinz aus Wien)

 

 

Falsch übersetzt
Für Verkaufsstrategen ist der Griff in die Englisch-Schublade längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Um hiesige Produkte "hipper" und "cooler" zu machen, wird alles bedenkenlos mit englischen Vokabeln beklebt. Der Griff zum Wörterbuch hingegen wird oft vergessen. Da bleiben peinliche Irrtümer nicht aus.

Ein Student bekam mit, wie sich eine Gruppe von amerikanischen Austauschstudenten erregt über einen Werbeprospekt einer Supermarktkette unterhielten und verstand irgendetwas mit "bag", konnte sich jedoch noch keinen Reim darauf machen. Am nächsten Tag stieß er im Supermarkt auf eine Werbetafel, auf der "body bags" angeboten wurden.
Tatsächlich handelte es sich dabei um mehr oder weniger modische Rucksäcke. Nachdenklich blieb der Student vor dem Angebot stehen und kramte in seiner Erinnerung. Kein Zweifel, er hatte den Begriff schon mal gehört, aber in einem anderen Zusammenhang. Und dann fiel es ihm wieder ein: Ein Kinofilm war´s. Einer über den Vietnam-Krieg. Mit viel Blut und vielen Toten. Eine ungute Ahnung beschlich ihn.
Zuhause griff er nach dem Englisch-Wörterbuch und schlug nach. Und da stand es, schwarz auf weiß:
"body bag" bedeutet Leichensack!
Nun verstand der junge Mann, was die Gemüter der amerikanischen Austauschstudenten so erregt hatte:
Leichensäcke im Supermarkt. Und dann auch noch im Sonderangebot!

Auf internationalen Flügen der Lufthansa soll es schon vorgekommen sein, dass das Bordpersonal den Reisenden "body bags" zum Verkauf angeboten hat. Gemeint waren damit diese praktischen Sets mit Augenklappen, Pantoffeln und Ohrstöpseln. Über dadurch ausgelöste Fälle von Massenhysterie oder gehäufter Ohnmacht unter den englischsprachigen Passagieren ist zum Glück bislang nichts bekannt.

Meistens soll "body bag" wohl aber nichts anderes als Rucksack bedeuten. Das Wort Rucksack scheint jedoch völlig aus der Mode gekommen zu sein. Vermutlich klingt es zu deutsch, zu sehr nach Bergwandern, nach Matterhorn und Kuhglockengeläut. Das schreckt die Jugend ab, die schließlich Englisch gewohnt ist, auch wenn sie es gar nicht immer versteht. Fazit: kein Verkaufsschlager ohne englisches Etikett (cooler: Label). Aber wenn "body bag" nun gar nicht das bedeutet, was die Anbieter meinen, was heißt "Rucksack" dann tatsächlich auf Englisch? Machen wir rasch die Gegenprobe im Englisch-Wörterbuch. Da steht zum einen backpack, als Bezeichnung für die großen Wanderrucksäcke, aber noch davor, gleich an erster Stelle, steht zu lesen, man glaubt es kaum: rucksack.
So weit ist es also schon gekommen, dass deutschsprachige Werbemacher und Marketingstrategen sich neue englische Begriffe ausdenken müssen, weil das englische Wort zu deutsch klingt!
(Zwiebelfisch)

 

 

Mundartliches

Ich wage zu behaupten, dass es keine Sprache gibt, die so unverbindliche Maßeinheiten hervorgebracht hat, wie die Österreichische. Das Vage und Dehnbare in unseren internen Maßeinheiten scheint mir auch ein Indiz, ja eine Facette des österreichischen Wesens an sich zu sein.
Schaun sie:
 
An der Aufforderung: "Noch ein Wengerl, ein Wengerl sitzen, ein Wengerl da zu bleiben, noch ein Wengerl lustig zu sein, daran finden wir gar nichts bemerkenswertes mehr, noch dazu wo sich dieses Wengerl auch ausreichend von "ein Wenig" herrührend erklären läßt.
Dass ein Weg breit ist, wenn er lang ist, wundert auch keinen mehr:
"Heast, wo woast denn? - Na is a brader Weg!"
Dass man endlos wartet und ewig nicht dran kommt, auch daran hat man
sich gewöhnt.
Ja selbst, dass jemand bei einem auf einen Hupfer vorbeischaut, wird in
den seltensten Fällen missverstanden und stört selbst nach zwei Stunden noch niemanden.
Schwieriger wird es dann, wenn jemand um ein Euzerl daneben liegt. Kann
man zum Beispiel auch um zwei Euzerln daneben liegen? Waren in grauer Vorzeit einmal 10 Euzerln 1 Euz? Und wenn etwas um 100 Euz nicht stimmt, kann man dann schon sagen: "Na, um den Unterschied möcht ich Klavier spielen können?"
Wann hat man etwas um ein Haus verfehlt oder gar um ein Eckhaus?
Um welche Mengen handelt es sich wirklich wenn jemand sagt: "Ich bin
den ganzen Nachmittag eine Stunde herumgrennt. I war in 97 Gschäftln, hab 17 Sakkos in 1000 verschiedenen Größen probiert. Kein einziges hot ma
passt, bis auf die zwa, san gar net so schlecht. I hab a Lawine zahlt,
und bin fix und fertig, weil überall a ganzer Oasch voll Leut woar!"
Wie
viele Leute gehen da hinein? Ja, wenn besagter Körperteil einer einflussreichen Persönlichkeit gehört, wie viele san schon drin?
Wann wird aus einem Tröpferl ein Tropfen? Wann daraus ein Schluckerl? Wann kann man von einem Glaserl sprechen? Bitte, dass ein Flascherl
Wein in Österreich meistens ein Doppelliter ist, darf allerdings als bekannt vorausgesetzt werden.
Jedoch, wie groß ist ein Futzerl? Wann mutiert es zum Eckerl? Wann zum
Stückerl? Welche Ausdehnung muss ein Körper haben, dass wir ihn in der Folge als Trumm, oder gar als Mordstrumm bezeichnen können?
Wieviel ist ein bissi? Bissi ist besonders heikel, weil man bissi so
ambivalent verwenden kann. Zum Beispiel: "Na is a bissi vü!" oder aber auch: "Na is a bissi wenig!"....
"Bist ein bissi deppert." Trägt noch
ein harmloses, fast liebenswertes Irresein in sich.
Während: "Du bist mir
scheint a bissl deppert!" bereits auf ernsthaft gestörte Geisteszustände hinweisen möchte.
Die Bereitschaft zur physischen Attacke drückt diese dann nur noch mehr
durch die rhetorisch gestellte Frage aus, wenn sie unter Weglassung sämtlicher Zischlaute gestellt wird, denn: "Heat bid a bidl debad!"
"A bidl" Das kann man gar nicht anders als drohend sagen.

Alle diese Beiläufigkeiten sind in ihrer Ungenauigkeit keine fixen Größen, aber als Österreicher lebt man mit ihnen. Wahrscheinlich könnten Etymologen unter zu Hilfenahme diverser Lautverschiebungen ihre Herkunft einigermaßen klären. Anthropologen werden unter Hervorkramen alter Sitten und Gebräuche weiter Klarheit schaffen können, egal ob es sich um ein Trumm, ein Eckhaus oder ein Futzerl handelt, aber NIEMAND, NIEMAND kann erklären, von wo es kommt oder gar von welchem Brauch es sich ableitet, dass, wenn jemand gefragt wird, ob er beispielsweise seinen Zug erwischt hätte, und dieser dann antworten kann: "Oba ums Oaschleckn net!"

 

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